Category Archives: Lyrik

Der alte Mann

Der alte Mann

 

Der alte Mann auf der Bank
Nein keine Plastikgeldautomaten
Versagungsgeschichte schon jetzt hier

In der wärmenden Frühlingssonne
Auf der graffitigeschmückten Bretterbank
Sitzend mit Blick über den silbrigen Wörthsee

Und im Bildvordergrund denn er
War gelernter Fotograf die heuer noch
Schneefreie Kinderrodelwiese leer

Blieb Ihm die Zeit sich auflösend stehen
Als Sein Leben fünfminütiger Quintessenz
Dessen Geschichten allemal literarisch

Märchenhaft bedeutungsschwer und leichthin
Nur selbstinszenierte Lehrstücke des Erwachens
Im Nachhinein wohl orchestriert erklingend

Sich in einer Kaskade Bachscher Orgelfugen
Engelbegleitet fantastisch und zugleich
Hoch philosophisch in einem weisen

Dankbaren Seufzer lächelnd entspannte
Der Mann saß da offenen Auges träumend
Hellwach als man Seine leblose Hülle fand

 

 

 

 

 

 

 

Der Mann

Der Mann

 

Hastete durch die Straßen
Jeder der Ihn wahrnahm
Sah seine hassende Angst

Auf der Flucht zugleich Verfolger
Und die Straßen wurden leer
Und leerer denn der Hass

Hat Sie alle in Ihre Wohnhöhlen
Appartementverwahranstalten und
Geldvillenbunker kasserniert

Der Mann rieb sich die Hände
Und schlenderte durch die leeren
Straßen bis er eine Frau traf

Die sich nicht an die Ausgehsperre hielt
Die Es wagte frei herumzulaufen
Da kochte die Rachsucht in ihm hoch

Er wurde erst rot und dann bleich
Im Gesicht viel die Maske röchelnd
Lag er da vor der Liebe sich windend

 

 

 

 

 

 

 

 

Frau Holle

Frau Holle

 

Mache klagen das Leben sei eine Last
Die Existens ein einziger Überlebenskampf
Andere empfinden Es schlicht und ergreifend märchenhaft

So sind auch wir hier von bescheidenem Gemüt
Stammen ab wie Du von Göttlichem Geblüt
Sind ungebildet einfach Handwerksleut

Hört die Mär lauschet nun der Kunde
Was der Volksmund uns hier gebeut
Ist verständlich für Kind und Kegel Jedermann

Da ruft der Abfall stinkend bittend zu entleeren
Die Wäsche muffelnd will wieder duftig nun gewaschen sein
Der Boden schmutzig lechzt gesäubert zu erglänzen

Die Fenstergläser stumpf geputzt erstrahlen hell
Und eine leere Vase ach Blumen in mir sind gar so schön
Viel mehr als dieses wäre anzumerken jedoch

Rasch seis hier geendet gebietet uns die Zeit
Was Du getan mag wohl bescheiden scheinen
Doch liebend ists dem Leben reinstes Gold

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heilende

Heilende

 

In entsprechenden Kreisen
Trägt eine geistige Wesenheit
Den vieldeutigen Namen Heiland

Ein heiles Land und dies ist nicht
Alleinig einzigartig  das sogenannte
Heilige Land in Palästina

Heilend ist all dies erkennend
Was uns Kränkungen bewusst
Sein läßt sowohl Anderen angetan

Als uns selbst zugefügt
Dann ist die sanfte Medizin
Morgens allen vergeben

Und abends uns verzeihen
Niemand kann uns heilen
Doch vorbildhaft heil sein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heilige

Heilige

 

Scheinheilige kennen wir zur Genüge
Und die Katholiken verdammten
Jeanne d Àrc gefoltert und verbrannt

Um Sie danach heilig zu sprechen
Kennst Du einen Heiligen jetzt und hier
Eine Heilige da oder dort Nein ach o weh

Ich sehe in jedem Menschenkind immer auch
Gleich ob klein noch grün hinter den Ohren oder
Hochbetagt Heilige schimmernd durch den Schleier der Zeit

 

 

 

 

 

 

 

 

Befund

Befund

 

Fremdwort Diagnose gedeutet
Diametral Dialektik Gnosis
Finden entdecken wahrnehmen

Wer den Wahnsinn nicht wahrnimmt
Ist wahnsinnig weil ihm unbewusst dienend
Wissenschaftler und Experten

Verkünden von den Kanzeln der
Lobbyisten der Konzerne und
Politbühnen der Fantasiestudios

Tag für Tag das Hören und Sehen vergehen
Und nach dem prägendem Bilderbewusstsein
Irrational für wahr erachtet und daher geglaubt

Liebende sind angstfrei und staune
Wahrheit ist ein feiner Geschmack
Guten Appetit und wohl bekomms

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Nullpunkt

Der Nullpunkt

 

Es gab Völker die kannten keine Null
Und lebten dennoch ganz erträglich ohne Sie
Fünf und fünf ist zehn

Zwei Fünfen nebeneinander sind fünfundfünfzig
Eine Fünf zu einer Fünf ergeben Zehn
Zwei Nullen einen Toilettenhinweis

Mißliche Menschen selbstwertgestört
Beschimpfen einen Artgenossen mit
Du bist eine Null

Wenn alles auf Anfang geht
Beginnt etwas Neues
Oder viele wähnen den Tod

Ground zero ist der Geheimdienstname
Des Explosionszentrums
Einer gezielten atomaren Sprengung

Der Nullpunkt löst alte überkommene
Strukturen auf innerseelisch geistig
Gesellschaftspolitisch religiös

Jedes Menschenwesen geht gerade durch
Dieses Portal einer mächtigen O
Was zurückbleibt verlischt