Category Archives: Poesie

Die Vision

Die Vision

 

 

Ich sah ein Kreuz ja heute wieder
Gewaltverherrlichend an einer Straße
Öffentlich daran hing eine gefolterte

Männliche Leiche und es war grauenvoll
Und ich sah ein Hakenkreuz
Umgedrehtes Sonnenrad der Inder Swastika

Und ein Kreuz der sich Bundeswehr
Nennenden Militärs und all die Wahl Kreuze
Auf den Stimm Abgaben die in Urnen verschwanden

Und dann ein Kreuz gleicharmig
Als Nord und Süd Ost und West
Aus Blüten farbig duftend schön

Zuletzt ein Kreuz mit einem Herzen
In Seiner Mitte leuchtend
Von strahlendem Licht

 

 

 

 

 

Der Notar

Der Notar

 

 

Ich bin mit Leib und Seele schon immer
Mein ganzes geordnetes Leben lang Notar
Denn menschliche Willensbekundungen

Sind verpflichtend zu sichern und gewissenhaft
Somit zu würdigen und von der Gesetztlichkeit
Öffentlich vor perönlichem Zugriff zu schützen

Doch was mir heute vorgelegt wurde
Kam mir noch niemals unter die Augen
Doch lest selbst Ort hier und Datum heute

Mein Vermächtnis und über den Tot
Hinaus gehender einziger Wille
Ich der sowieso Name geschützt

Bekenne das das was Ihr für die Wirklichkeit
Haltet das was Sie Euch für Realität
Ein Fremdkunstwort nur ein künstliches

Konstrukt ist im Sinne gedanklicher Manifestationen
Konditionierender falscher Weltanschauungen
Einer Matrix im Sinne Platons Höhlengleichnis

Und quantenphysikalischer Holografie
Die Geschichte so wie Sie Euch gelehrt wird
Ist eine größtenteilige Fälschung und das

Religiöse Selbstbild alttestamentarischer
Grundlegung menschen und lebensfeindlich
Jenseitsorientiert bei gleichzeitiger Todesangst vor

Einer Bestrafung im Sinne vollständigen Liebesentzuges
Jener als rachsüchtig und jähzornig verstandenen
Gottheit namens Herr der die Trennung das Zerteilen

Von Anbeginn an mittels satanischer Ideologie
Zwischen Weib und Mann zwischen Seele und Geist
Und insbesondere die Schändung natürlicher Körperlichkeit

Durch die perfide Vergiftung mit Erbsünde Schuld und Scham
Zu einer kollektiven Schizophrenie einer Selbstentfremdung
Und Seinsverachtung ohne Aussicht auf eigenständige

Selbst und Seinsheilung Vergebt Ihnen denn Sie wissen
Was Sie tuen denn Sie haben nur unsägliche Angst
Ein existentielles Grauen vor aller schöpferischen Liebe

Das Vermächtnis endet hier mit dem Verwischen der
Handschrift und so wurde Es in den kalten Händen
Des Verstorbenen gefunden und mir heute zugestellt

 

 

 

 

 

Der Stumme

Der Stumme

 

 

 

Durch einen Schock
Bin ich für immer verstummt
Und so sprechen die Steine an meiner statt für Dich

Durch all die Lügenhaftigkeit unsäglich ermüdet
Schweige auch ich mundtot gemacht
Und die Blumen sprechen nun für Dich

Durch die weltumklammernde Angst vor der Wahrheit
Habe ich die Sonne angefleht das Sie Es Euch zeige
Mächtig und groß ins Blau des Himmels geschrieben

Und ich stammle Ihr nach
Weißes Gewölk schäfchenwatteweich
Formen das Wort    Lieben

 

 

 

 

 

Hellsehen

Hellsehen

 

Wärmendes Licht ins Dunkel bringen
Verdüsternde Schatten  durchlichten
Verlogenes ins Licht der Sonne stellen

Schwarzsehern Licht im Tunnel
Verängstigten Strahlen des Vertrauens
Lügen und Irrungen Wahrheitslicht sein

 

 

 

 

Die Verrückten

Die Verrückten

 

 

Wenn ich unverrückbar festhalte an dem was ist
Dann bin ich ein Gefangener der Erstarrung
Zumindest auf der Flucht vor Wandlung

Und die Verrückten stecken Sie
In die Klapsmühle Psychiatrie
In das Bezirkskrankenhaus

Obwohl der gesamte Bezirk kränkelt
Sonst könnte er keine Irren hervorbringen
Ein Narr der Clown Kasperle und alle

Liebenden sind Verrückte entrückt verzückt
Aus dem lauen Mittelmaß ins Unermessliche
Und Sie tuen was sich nicht gehört rückhaltlos

Wie ich in der Feier abend S Bahn einem Syrer ehemaliger
Kriegsdolmetscher das Türkische Liebeslied Die lächelnde Rose
Güldür Gül zu Singen was sich ein BRD Laptoptyp streng verbat

 

 

 

 

 

Die Antrittsrede

Die Antrittsrede

 

Kunstakademie München ehemals
Weltstatt mit Herz benannt heute
Von Laptop und Lederhose verbannt

Der Hörsaal ist angenehm besucht
Das Katheter wartet auf seinen Sprecher
Pünktlich um zehn Uhr tritt ein elastischer Mann

Reiferen Alters in Erscheinung Grüß Gott und einen
Frohen Tag liebende Gesamtkunstwerke
Mein Name ist ich bin soundsoviel Jahre alt
Lächelnd jung und komme zu dieser Aufgabe heute

Wie die Jungfrau zum Kind vor Ihnen sprechen zu dürfen
Schauen Sie sich rechts und links einander an
Was sehen Sie da Leute Personen Kommilitonen

Damen und Herren CO2 Erzeuger Verbraucher
Männer Frauen oder sogar Weiber Menschenwesen
Schauen Sie jetzt in sich was sehen Sie da

Erziehungsprodukte Genreproduktionen
Karriereleiterbesteiger Konkurrenten oder
Ein von einem harten blinden Schicksal

Gequältes Sexualfolgeergebnis zweier Menschenwesen
Eltern genannt all dies bildet Ihren Blick
Auf sich und die Welt Ihr Bangen und Sehnen

Dies wird Ihren Pinsel führen Ihren Meisel zittern lassen
Ihre Rollen als Schauspieler Sänger Musikerin
Denn das Kunstwerk sind allemal Sie und zuallererst

Das was Sie einem Puplikum den Gästen Zuschauern
Vermitteln ist die Deutung des Mysteriums Leben
Die Angst vor oder Sehnsucht nach dem Tode

Wir schauen auf Spiegelungen und so ist unser aller
Körperlichkeit das Ergebnis des Zusammenklanges
Höchster Gestaltungskraft Ingenieurskunstsinnigkeit

Und ästhetischer Einkleidung eines Gedärms blutiger
Organe und ja der Anus selbst jene Rosette oft schimpflich
In Sprachattaken mißbraucht entspricht dem unteren Gefilde

Eines Apfels dessen einstiger Blüte formengleich
Was immer Sie gestalten Sie sind in Mimik Gestik der
Art zu Stehen und zu Gehen ein wandelndes Kunstwerk

Ihnen meist unbekannter Schöpfer verlegenheitshalber Natur umschrieben
Achten Sie auf Ihre Augen was und wie Sie etwas sehen
Ob infiziert mit Hässlichkeit oder Lieblichkeit

Ihre Sprache kann dahergeredet mißklingen oder
Entzücken weil jedes Wort moduliert inspiriert
Fasziniert und das lauschende Ohr durstig trinkt

Hier endet die einzige mitgeschriebene Antrittsrede
Weitere Ausführungen sind nur mündlich überliefert
Und wenn Du berührt wirst von einer Be gegnung

Dann wisse das Du in jenem Augenblik keinen Gegner
Dafür ein Gesamtkunstwerk leibhaftig erfahren hast
Und selbst warst und immer bist

 

 

 

 

 

Ein Gedicht

Ein Gedicht

 

 

Ist das verliehene Schauen
Für jenen kurzen Augenblick
Durch eines Menschen Augenpaar

Deutend diese Seine Welt
Die doch zugleich die Deine ist
Nur siehst Du sie mit einer Sicht

Die Dir so eigenst ist und wenn
Der Blick getrübt mag er sich froh Dir
Hellend weiten um aufzuschwingen

Das selbst ein Stein der scheinbar
Tot Ihm jäh von Lebenskraft erfüllt
Auch Er ein Leib der träumt bereit

Einstmals wie Du der Engelwelt
Von Leichtigkeit getragen frei
Der Erdenschwere fern entsteigt