Category Archives: Poesie

Verwandtschaft

Verwandtschaft

 

 

„Dichtung und Bild,
Farbe und Wort sind Geschwister,
wie Du weißt.“

Gedanke Geist und Sprache Seele
Gefühl liebend und Handlung Wille sind verwandt,
Wie Du tagtäglich erlebst

 

 

 

 

 

 

Das Zitat im ersten Abschnitt ist aus
„Rot ist mein Name“
Von Orhan Pamuk
Türkischer Schriftsteller dankbar entnommen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Denkattentate

Denkattentate

 

 

Du wirst schon sehen wo das noch hinführt
Warte das dicke Ende kommt erst noch
Freu Dich nicht zu früh

Da seh ich schwarz
Mit Liebe kommst Du nie zu etwas
Die Gefühlduselei vergeht Dir noch

Das Leben ist hart und kein Zuckerschlecken
Kind lerne lerne für den Ernst des Lebens
Das Leben ist kein Kinderspiel

Wir wollen keine Kinder
Die Welt ist eh schon überbevölkert
Glaube ist nur für alte Weiber

Wer nicht lernen will
Den bestraft das Leben
Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Schar

Die Schar

 

 

Wir setzten uns nieder
Nicht auf hölzernes Gestühl hochgestellt
Dafür auf der Erden Boden
Den Leib der Mutter alles Körperlichen

Kaffee und Tee heiß und dampfend
Wurde dargereicht
Das Blut und Denken belebend
Reihum ein tiefer Blick in die Augensterne
Und der Gastgeber eröffnete

Der Himmel ist unser Zeuge
Die Sterne Sein Ohr
Und das Licht der Sonne selbst
Das uns geschenkt diesen Raum erhellt
Sieht alles jeden Gedankenblitz Minenspiel und Geste

Wir haben Alles erlebt
Dem Tod bei der Arbeit zugesehen
Der Geburt schmezliche Lust
Und der Kinderschar lebendiges Erblühen

Was gibt Es da noch zu Besprechen
Welches sind Euere Fragen dahin
Ists nicht das doch Alles selbst
Tief innerst aus sich spricht und kündet

Wenn wir ja zum Leben sagen
Sagen wir auch ja zum Tode
Der für den Weisen nur Wandlung ist

Das die Menschen oft noch in Streit
Gegeneinander sind ist nur das Eingeständnis
Selbst in sich zerworfen zu sein
Wir haben alle Macht

Nicht über der Anderen Tun und Spiel
Du und ich wir hier
Sind die Diener des Heiligen Augenblicks
Denn nur Er ist wahr

Das Gestern nun Manche richten Es hin
Wie ein Ungetüm
So als sei der Herbst
Der Mörder des Sommers

Wieder Andere fürchten die Zukunft
So als sei der Frühling bereits
Durch den Winter erfroren ermordet
Wir hier sind der Schwestern und Brüder Schar

Jener im Einvernehmen dessen
Was ist und ein Wandel ist das Töpfern
Ton Wasser drehender Wirbel
Zupackendes Formen feuriger Hitze Brand

Und zuletzt der bunten Glasur Muster
Schöner Farbenbilder sind wir die Beschenkten
Und nennen Gott einen Töpfermeister
Und Seine Frau die Göttin kocht uns Tee
Und Kaffee serviert aus diesen zarten Schalen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Göttliches

Göttliches

 

 

Wenn Du Dir vorstellen kannst
Ein Stein auf den Wegen aller Menschen zu sein
Dich als eine Stufe auf der Himmelstreppe fühlst

Ja Dir zutraust
Die Schuhsohle des Göttlichen zu sein
Das natürlich Barfuß läuft dann bist Du Es

 

 

 

 

 

 

 

Mutter Erde

Mutter Erde

 

 

 

Gestern war ich bei unser Aller Mutter Erde
Zu Kaffee und leckerem selbstgebackenem Kuchen eingeladen
Wir saßen auf dem höchsten Berg der Welt

Und mit Ihrem gütigen Lächeln
Fragte Sie mich na mein Sohn
Was hast Du bisher so alles dargelebt

Ich nahm einen Schluck aus dem Wasserglas
Das ich still mit einem Dank segnete
Denn achzig Prozent des Körpers

Besteht wie das Verhältnis der Weltmeere
Zur Landmasse aus diesem Seelenelement
Und ebenfalls lächelnd sprach ich also

Ich habe so viel an Lebens und Todeserfahrungen
Gesucht erlebt und erfahren als möglich
Im Zivieldienst Sterbende auf der Pflegestation betreut

Psychisch Kranke in einem Bezirkskrankenhaus
Die Leichen im Schwabinger Krankenhaus aus den Totenkammern
Über Kellergänge in die Pathologie gefahren

Denn Es genügt nicht einfach den Tod anzuerkennnen
Sie wollen immer ein Organversagen eine Krankheit
Auf einer psychosomatischen Abteilung einer Privatklink

In einer Klinik für Multiple Sklerose Betroffene
Auf einer Intensivstation im Internen Krankentransport
Und in einer Urologischen Privatklinik geholfen

Zuletzt als Sozialbetreuer für Schwer und Mehrfachbehinderte
In einer privaten anthroposophischen Wohngemeinschaft mit elf
Zu Betreuenden dann Aktmodell Hausmeister Gärtner

Umzugshelfer Wändeanstreicher Taxifahrer
Hausmann Büchhändlergehilfe Schauspieler
Regiseur Sänger und Trommler Sterbebegleiter

Ehemann Adoptivater Scheidungsvater Arbeitsloser
Schriftsteller Lyriker Dienstleister und
Da nickte Mutter Erde und sprach nur    Und

Ich antwortete ich habe die Welt nicht verbessert
Ich habe nur die Angst eingeatmet und Lieben ausgeatmet
Da stand Sie auf umarmte mich und Weinte und Lachte zugleich

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zeitverwehn

Zeitverwehn

 

 

Früher glitt das Leben
Sonnengleich sternenhaft ineinander hin
Dann mechanisch zeitgetaktet

Gefangen nun in metallner Uhr
Qarzgesteuert tausendelster Sekunde
Ist die Zeit am Ende aus der Spur

Sie verfließt verdunstet nun
Alle hetzten wie zum Sommerschlußverkauf
Wollen müssen schaffen tun

Doch warts ab die Zeit steht stille
Atmet aus was lange ward gestaut
Dann wenn die letzte Sekunde verwehter Wille

Beginnt was nur vergessen und verdrängt
Etwas das schon immer war
Was die Welt im innersten zusammenhält

 

 

 

 

 

 

Der Vergangenheitsforscher

Der Vergangenheitsforscher

 

 

 

Weil was selten vorkam
Gäste bei Muttern alsbald verstummten
Wenn ich Knabe das Wohnzimmer betrat

Ihre Geschichten ersterben ließen
Wohl verbergend vor dem Jungen
Erwachte in mir der Herzenswunsch

Alles zu verstehen und der Geschichte
Ergebenster Diener und Bote zu sein
Also forschte ich im abgelassenen

Ludwigskanal nach weggeworfenen
Helmen Gewehren und Stabbrandbomben
Wurde Mitglied der Naturhistorischen

Gesellschaft Abteilung Vorgeschichte
Und sammelte allehand Zeugnisse
Menschlichen Wirkens berede in Ihrem Schweigen

Wer die Schatten der Vergangenheit
Nicht in der Gegenwart durchlichtet
Dem verdunkelt sich die Zukunft

So zündete ich denn gleich die Lampe
Meines Geistes an und das Unlicht
Heulte kläglich verlöschend auf mehr braucht Es nicht

Die Schatten der Vergangenheit
Im Jetzt erhellend erschließt
Die Zukunft golden strahlend schön